Warum singen Vögel morgens?

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Du stellst dir die Frage: Warum singen Vögel morgens? Dann kann ich dir schon mal verraten, du bist mit dieser Frage nicht allein. Es gibt keinen schöneren natürlichen Wecker, wie das freudige und erfrischende Zwitschern von Vögeln am Morgen, wenn die Sonne aufgeht und der neue Tag beginnt.

Dass das lebendige schöne und erweckende Gezwitscher dabei auch häufig ein Anzeichen dafür ist, dass der beginnende Tag ein ganz besonders schöner werden soll, wissen dabei nur die wenigsten. So ist es aber.

Auch wenn man meinen könnte, dass die kleinen Fluggesellen für unsere Freude und zu unserem Vergnügen ihr Kehlköpfchen anstrengen, so hat das muntere Vogelgezwitscher am Morgen doch einen anderen Grund.

Warum aber zwitschern Vögel überhaupt?

Warum singen Vögel morgens
Ein Zaunkönig mit weit geöffnetem Schnabel singt aus voller Kehle.

Wenn Vögel zwitschern und singen, so kommunizieren sie miteinander. Manche Vögel verfügen nur über einige wenige Vogelstimmen. Andere wiederum verfügen über ein richtig breites Spektrum an Farbklängen, Tönen und Melodien. Deswegen ist es auch wichtig zwischen dem Gesang der Vögel und kurzen Rufen zu unterscheiden.

Von Gesang spricht man dann, wenn eine Art Melodie hörbar ist. Bei einem Ruf sind es hingegen kurze Laute, die ein Vogel von sich gibt. Singt ein Vogel so geschieht dies meistens zur Paarungs- und Brutzeit. Vögel markieren ihr Revier mit ihrem Gesang und locken gleichzeitig Brutpartner an.

Die kurzen Vogelrufe aber sind wesentlich komplexer. Hier sind sich selbst vogelkundige Experten häufig über ihre Bedeutung unsicher.

… und warum singen Vögel nun häufig am Morgen?

Die meisten Vögel lassen ihr zartes wie kräftiges Stimmchen in den frühen Morgenstunden erklingen. Wissenschaftler erklären dieses Verhalten mit der Ausschüttung des Hormons Melatonin, das auch ein wichtiges Hormon des menschlichen Organismus ist und für einen gesunden Schlaf und einen ausbalancierten Tag-Nacht-Rhythmus sorgt. Melatonin wird in der Nacht gebildet.

Mit dem Auftreten der ersten Sonnenstrahlen beginnt der Vogelkörper nun dieses in der Nacht gebildete Melatonin auszuschütten. Die Vögel erwachen und beginnen sogleich den Tag mit ihrem erfrischenden Gesang zu begrüßen und ihn uns so zu versüßen.

Doch es werden noch weitere Gründe für das frühmorgendliche Konzert vermutet. So legen einige Forscher nahe, dass gerade am Morgen besonders gute Bedingungen bestehen, dass das Gezwitscher eine möglichst große Reichweite erreicht.

Rotkehlchen singt gern morgens
singendes Rotkehlchen auf Ast

Explizit geht es hierbei um die Verbreitung des Schalls, der sich am Morgen, wo die Verwirbelnden der Luft noch geringer sind als z.B. zur Mittagsstunde, besser ausbreiten kann. So trägt die Luft den Gesang der Vögel weiter. Als ob die Tiere diese Besonderheit der Luft spüren würden. Bemerkenswert diese Tierwelt.

Eine weitere naheliegende Erklärung für den frühen Gesang sind die herrschenden Bedingungen zur Nahrungssuche. Diese wird in der Morgendämmerung aufgrund mangelnder Helligkeit und Wärme als weniger gut eingestuft. Dementsprechend singen Vögel lieber am frühen Morgen zum Sonnenaufgang. So nach dem Motto, weil sie eh nichts Besseres zu tun haben.

So ganz stimmt dies aber nun auch wieder nicht. Denn wir erinnern uns? Vögel singen, um ihr Revier zu markieren und geschieht diese gerade am frühen Morgen wissen alle Vögel in der Umgebung bereits Bescheid, wer in welchem Revier das Sagen hat. Zudem haben amerikanische Studien belegt, dass besonders die Vogelmännchen zum frühen Gesang neigen, um ihre Chancen während der Paarungszeit auf ein passendes Weibchen zu erhöhen.

Bei einigen Vogelarten gilt das frühe Singen als Zeichen für Dominanz und Stärke. Eigenschaften, die bei Vogelweibchen besonders gut ankommen. Bei anderen Vogelarten hingegen entscheidet das Alter der Männchen, wann sie zum Gesang anstimmen. Je älter, desto früher wird gezwitschert.

Übrigens entscheidet auch die Vogelart, ab wann mit Gesang und Gezwitscher zu rechnen ist. Die Rotschwänze beginnen meistens das Konzert am Morgen. Finken und Stare hingegen waren bis zu den ersten Sonnenstrahlen, bevor sie mit ihrem schönen Gesang die Herzen der wachwerdenden Menschen erfreuen.

In der Stadt sieht es noch anders aus als auf dem Land. Hier müssen sich Stadtvögel nicht nur mit mehr Konkurrenz rumärgern und sich mit kleineren Revieren zufriedengeben, sondern sie müssen auch noch gegen die bestehende und existierende Geräuschkulisse der Städte ansingen … und je früher das Treiben der Menschen in ihren Städten beginnt, desto früher singen auch die Vögel. Schließlich wollen sie nur ungern mit heulenden Motoren und Co konkurrieren.

Besonders das Rotkehlchen ist ein Vogel, der davon betroffen ist. Es hat ein sehr zartes Stimmchen und sein Gesang würde bei den ersten Geräuschen des Tages völlig unter gehen. Deswegen beginnt es in den warmen Sommermonaten bereits ab 3 Uhr zu trällern. Ein wenig früh, oder nicht? Zum Glück ist seine Ausdauer auch nur begrenzt, sodass man sich nach den ersten Tönen nochmal umdrehen und weiterschlafen kann.