Drosseln bestimmen, erkennen und unterscheiden

Manche Drosselarten können Sie leicht auseinander halten, weil es markante Erkennungsmerkmale gibt. Manchmal sind es jedoch nur feine Kleinigkeiten, die Ihnen bei der Unterscheidung helfen, optisch wie akustisch. Da braucht es geschulte Sinne, die Familie der Drosseln, die „Turdidae“, zu erkennen, zu bestimmen und voneinander zu unterscheiden. Ich möchte dir dabei helfen, die wichtigsten heimischen Arten zu identifizieren.

Systematik

  • Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Unterordnung: Singvögel (Passeri)
  • ohne Rang: Passerida
  • Überfamilie: Muscicapoidea
  • Familie: Drosseln

Die häufigsten heimischen Drosselarten

Drosseln bestimmen, erkennen und unterscheiden
Drosseln bestimmen, erkennen und unterscheiden

Von den 175 Drosselarten die es weltweit gibt, sind natürlich nur einige wenige auch in Deutschland zu finden. Und auch da muss man noch zwischen den Arten unterschieden, die das ganze Jahr bleiben und denen, die im Winter in wärmere Regionen ziehen.

Ich möchte dir hier die Drosseln vorstellen, die du in Deutschland beobachten kannst. So kannst du sie bei zukünftigen Spaziergängen sicher leichter unterscheiden.

Amsel oder Schwarzdrossel (Turdus merula)

Amsel (Turdus merula) Drosseln bestimmen
Amsel oder Schwarzdrossel (Turdus merula)

Die geläufigste aller heimischen Drosselarten ist die Amsel, oder auch Schwarzdrossel. Nur bei dieser Art unterscheiden sich Männchen und Weibchen so deutlich voneinander. Das Männchen glänzt tiefschwarz gefiedert und trägt ab seinem 1. Lebensjahr einen leuchtend gelb-orangenen Schnabel. Das Weibchen trägt ein graubraunes Federkleid mit gefleckter Brust. Ihr Schnabel ist blass. Früher reiner Waldbewohner, finden wir die heute fluchtdistanzarme, ca. 27 cm lange Amsel inzwischen in fast in jedem heimischen Garten.

Ihr flötender, melodischer Gesang ertönt selbst bei trübem Wetter oder Regen. Als Futter sucht sie in Laubstreu oder niedrigem Gras nach Würmern. Die Amsel nimmt im Sommer auf offenen Bodenstellen gern Staub- und Sonnenbäder und bildet mit einem Brutbestand von ca. 7,35 bis 8,9 Millionen Paaren die am meisten verbreitete und bekannteste Drosselart.

Wacholderdrossel (Turdus pilaris)

Aussehen und Merkmale der Wacholderdrossel
Wacholderdrossel (Turdus pilaris)

Diese Drosseln sind etwas kleiner, dafür schwerer als Amseln. Männchen und Weibchen, unterscheiden sich bei dieser Art nicht voneinander und tragen beide ein buntes Kostüm: Am grauen Kopf leuchtet ein gelber Schnabel mit dunkler Spitze, Brust und Kehle schimmern dunkelgelb mit schwarzen Sprenkeln. An Kopf und Wange kontrastiert ein wenig Blaugrau zu dunkelbraunen Flügeln mit weißen „Paspeln“.

Ihre wenig melodischen Laute klingen eher gepresst und schrill, ähnlich denen der Elstern.

Ihr Ausbreitungsbereich erstreckt sich von Grönland über Europa bis in Mittelsibirien. In Deutschland lebt die Wacholderdrossel gern in Mischbiotopen aus Wäldern, Wasserufern mit Baumbestand, Parks, Feld- und Gartengehölzen.

Dort brütet sie von März bis April und im Juni, vorzugsweise in Bäumen oder hohen Sträuchern. Von weltweit 340.000 bis 430.000 Brutpaaren nisten davon 111.000 bis 215.000 Brutpaare in Deutschland bevorzugt in der Nähe von unberührten Wiesen für eine bequeme Futtersuche.

Die Jungen werden vornehmlich mit Regenwürmern, Insekten und Spinnen großgezogen, während die Erwachsenen auch eine Schwäche für Wacholderbeeren und Früchte hegen und gern Wasserbäder nehmen.

Ab Ende September ziehen sie fort und überwintern im Mittelmeerraum oder im Südwesten Europas, kehren jedoch schon im Februar nach Deutschland zurück.

Misteldrossel (Turdus viscivorus)

Aussehen und Merkmale bei der Misteldrossel
Misteldrossel (Turdus viscivorus)

Misteldrosseln sind leicht zu verwechseln mit Singdrosseln, jedoch fehlen Männchen wie Weibchen die ockerfarben hinterlegten Unterseiten. Diese sind dafür stark gepunktet und Ihre Wangen tragen einen dunklen, vertikalen Strich. Die Schnäbel sind schwarz auf heller Basis. Mit 26 bis 29 cm Länge sind sie zudem deutlich größer als Singdrosseln.

Ihr Gesang wirkt melancholisch, ihr Ruf ähnelt einem Schnarren. Namensgebende Leibspeise sind zwar Mistelbeeren, doch ihre Grundnahrungsquellen bestehen aus Würmern, Schnecken, Insekten und Sämereien, die sie hüpfend auf dem Boden suchen.

Misteldrosseln nisten in stabilen Napfnestern in Nadelbäumen, gebaut aus Lehm, Moos und Flechten. Sowohl die Brut als auch die Versorgung des Schlupfes aus den vier ab März bebrüteten Eiern wird von beiden Elternteilen übernommen.

Ringdrossel (Turdus torquatus)

Ringdrossel (Turdus torquatus)
Andreas Trepte, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

Ringdrosseln haben mit 24 bis 27 cm etwa Amselgröße und tragen dunkelbraune Federn mit weißen Rändern. Ein sichelförmiges weißes Brustband bei erwachsenen Tiere unterscheidet diese deutlich von Amseln.

Ihr Rufen gleicht dem harten Aneinanderstoßen zweier großer Steine und klingt wie „Tak-Tak-Tak“. Im Gesang wiederholen sie melodisch Elemente zwei bis vier mal, von Pausen getrennt. Ihre Melodien ähneln denen der Singdrossel, wirken aber, weil langsamer vorgetragen, deutlich wehmütiger.

Ringdrosseln sind selten und in Bergregionen beheimatet. Sie leben in lichten Nadelwäldern und Geröllhalden mit einzelnen Sträuchern und Nadelbäumen.

Die Weibchen der etwa 2.300 – 4.200 Brutpaare legen in Hochlagen, davon 80 % in den Alpen, drei bis sechs Eier in napfförmige Nester. Diese liegen in Nadelbäumen, Steinmauern oder Felsspalten. Nur die Weibchen brüten etwa zwei Wochen, doch nach dem Schlüpfen wird der Nachwuchs von beiden Eltern versorgt.

Außerhalb der Hochlagen wie Harz, Rhön, Schwarzwald, Bayerischer Wald sind Ringdrosseln nur als Durchzügler bekannt und gelten daher als selten. Sie überwintern Nordafrika und Südeuropa.

Rotdrossel (Turdus iliacus)

Wie sieht eine Rotdrossel aus
Rotdrossel (Turdus iliacus)

Ihr weißer, braungefleckter Bauch hebt sich kontrastreich vom braunen Oberkörper ab. Das besondere Erkennungsmerkmal der Rotdrossel ist jedoch die namenstiftende orange Flanke. Markant ebenfalls der helle Überaugen- und Bartstreif, wodurch der gelben Schnabel hervorgehoben wird. Mit 19 bis 23 cm Länge ist sie die kleinste Drosselart.

Ihr variabler, flötender Gesang ist hier kaum zu hören, schon aber Ihr Flug- und Zugruf auf ihrem nächtlichen Weg ins Winter- oder Brutquartier. Er klingt wie ein langes „ziiiiieeh“.

Mitte April legt das Weibchen vier bis sechs Eier in ein ausgepolstertes Napfnest. Brutversuche in Deutschland gelten allerdings als Ausnahme, obschon einige Vögel hier nicht nur rasten auf dem Weg in ihre Winterquartiere, sondern teilweise sogar in Wäldern und Parks den ganzen Winter verbleiben.

Wie bei den Ringdrosseln brütet nur das Weibchen, doch der geschlüpfte Nachwuchs wird von beiden versorgt. Hauptbestandteil der Nahrung sind wie bei den anderen Drosselarten auch tierische Kost wie Insekten, Schnecken, Würmer und Spinnen. Anders als bei anderen Drosseln bleiben die Jungen nach dem Flüggewerden noch einige Wochen im Familienverband im Nest.

Singdrossel (Turdus philomelos)

Singdrossel - Turdus philomelos
Singdrossel (Turdus philomelos)

Was die Größe angeht, liegt die Singdrossel mit 20 bis 22 Zentimeter zwischen der kleineren Rotdrossel und der etwas größeren Amsel. Optisch unterscheiden sich Männchen und Weibchen kaum voneinander. Insgesamt ist das Männchen ein klein wenig größer.

Singdrosseln haben eine bräunlich bis olivbraun gefärbte Oberseite. Die Spitzen der Federn erscheinen hell. Die Unterseite ist deutlich heller gefärbt und ist voll mit schwarzen Tupfen. Typisch ist auch der weiße Augenring um die dunklen Augen.

Besonders markant ist natürlich ihr Gesang. Sie kann bis zu 50 Minuten (mit kleinen Pausen) singen und baut in ihren Gesang sogar andere Vogelstimmen mit ein.

Gebrütet wird bei den Singdrosseln meist zweimal pro Jahr. Die Nester werden in Hecken, Bäumen und kleineren Büschen gebaut. Das Gelege besteht aus 3 bis 5 Eiern und es dauert 10 bis 12 Tage bis die Küken schlüpfen.

Sie werden dann von den Eltern solange mit Nahrung versorgt, bis sie das Nest verlassen. Doch auch danach gibt es von den Eltern noch eine kurze Zeit Nahrung.

Fazit: heimischen Drosselarten

Alle 175 Drosselarten weltweit gehören zu den 5700 Arten der Sperlingsvögel, der größten Ordnungsklasse aller Vögel. Drosseln werden in ca. 20 weitere Gattungen unterteilt. Je nach Gattung unterscheiden sich Drosseln, in ihrer Lebensweise, in der Art ihrer bevorzugten Nistplätze, im Brutverhalten, und natürlich, last but not least, im Aussehen.

Mit einer Länge von 15 cm bis 35 cm werden sie zu den kleineren bis mittelgroßen Vögeln gezählt. Aufgrund ihres Gewichtes von 20 g bis 150 g gehören sie zu den größeren Singvogelarten

Ihr Federkleid ist in Braun- und Grautönen gehalten, je nach Art und Geschlecht mit schwarzen oder bunten Elementen versehen sowie mit gepunkteten oder gefleckten Bauchseiten.

Sie alle gehören zu den sogenannten Weichfutterfressern. Sie können sich sowohl von pflanzlichen als auch von tierischen Nahrungsquellen ernähren. Hierzu gehören u.a. Schnecken, Würmer, Spinnen, Insekten, Larven, Beeren, Obst, Kleie, Rosinen, Sämereien.

Auf der Suche nach Nahrung sind sie bevorzugt auf dem Boden unterwegs, selten in Büschen oder Hecken, noch seltener in Bäumen. Daher ist es ratsam, wenn Sie sie bodennah füttern.

Aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit sind diese Singvögel auf allen Kontinenten der Erde verbreitet. Die meisten Drosselarten ziehen als sogenannte Teilzieher zum Überwintern in Richtung Mittelmeer. Misteldrossel, Rotdrossel und Wacholderdrossel allerdings treten meist nur als kurze Wintergäste auf, während manche Arten wie die Amseln in milden Wintern länger verweilen oder bleiben.