Kernbeißer – Aussehen, Lebensraum, Nahrung, Brutverhalten

Der Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) ist in unseren Breiten die größte Finkenart. Auch aus diesem Grund wird er auch Finkenkönig genannt. Besonders auffällig ist der große und kräftige Schnabel, der irgendwie überdimensioniert wirkt. Mit Hilfe seines kräftigen Schnabels und der entsprechenden Muskulatur kann er sogar Obstkerne aufspalten.

Verbreitet ist der Kernbeißer in Europa, Nordafrika sowie ostwärts die Gebiete bis Ostasien und Japan. Aufgrund seiner guten Verbreitung gilt diese Finkenart auch nicht als gefährdet.

Systematik

  • Unterordnung: Singvögel (Passeri)
  • Familie: Finken (Fringillidae)
  • Unterfamilie: Stieglitzartige (Carduelinae)
  • Tribus: Kernbeißer (Coccothraustini)
  • Gattung: Coccothraustes
  • Art: Kernbeißer

Wie sieht ein Kernbeißer aus?

Aussehen und Merkmale beim Kernbeißer

Wie bereits erwähnt ist der Kernbeißer die größte Finkenart, die in Europa beheimatet ist. Die Vögel können eine Körperlänge von 16 bis 18 cm erreichen. Dabei liegt die Flügelspannweite zwischen 29 und 33 cm. Das Körpergewicht beträgt bei erwachsenen Tieren zwischen 48 und 62 g.

Der „Finkenkönig“ ist recht leicht zu erkennen. Sein sehr großer. kegelförmiger Schnabel ist schon sehr auffällig. Zwischen Männchen und Weibchen gibt es nur leichte Unterschiede. Beim Männchen ist der Kopf gelbbraun und rotbraun gefärbt. Im Nacken hat der Vogel ein breites graues Band, das den Kopf mit dem Rücken verbindet. Auf meinen Fotos ganz gut zu erkennen.

Der Rücken ist in dunkleren Brauntönen gefärbt. Außerdem besitzt er eine schmale Schnabeleinfassung und einen deutlichen Kehlfleck jeweils in tiefem Schwarz.

Das Gefieder an der Brust ist rötlichbraun und die Unterseite meist grauweiß.

Das Kernbeißer-Weibchen ist nicht ganz so markant gefärbt. Hier ist das Gefieder insgesamt etwas blasser. Der Kopf ist meist eher gräulich gefärbt.

Wo leben Kernbeißer?

Beobachten kann man den Kernbeißer in Europa, Nordafrika sowie ostwärts die Gebiete bis Ostasien und Japan. Gerade hier bei uns in Mitteleuropa kann man den Finkenkönig das ganze Jahr über beobachten, z.B. am Vogelfutterhaus, da er hier ein Standvogel ist. Die Tiere aus den nord- und osteuropäischen Gebieten sind Teilzieher, die vorwiegend in Mitteleuropa oder Westeueropa überwintern.

Häufig sind Kernbeißer auch sogenannte Strichzieher. Im Herbst und Frühjahr werden Wanderungen vorgenommen, um Gebiete mit ausreichend Nahrung aufzusuchen.

Kernbeißer bevorzugen, besonders zur Brutzeit, lichte Laubwälder und Mischwälder mit Unterwuchs.

Der diese Finkenart als Nahrung Sämereien und Raupen bevorzugt, kann man sie auch häufig in Dörfern mit Landwirtschaft oder in heimischen Gärten finden. Aber auch Städte mit Parkanlagen, Friedhöfe mit altem Baumbestand sowie Streuobstwiesen und weitläufige Obstanlagen sind gern genutzt Lebensräume.

Zu finden ist er aber nur im Flachland und mittelhohe Lagen von 300 bis 700 m. Ausnahmen bestätigen aber die Regel, so wurden auch schon brütende Kernbeißer in einer Höhe von 1000 m gefunden.

Was frisst ein Kernbeißer?

Auf dem Speiseplan der Kernbeißer stehen in erster Linie Samen von Laubbäumen und Früchten. Vor allem die Samen von Kirschen, Zwetschgen und Pflaumen aber auch der Hainbuche, Feldahorn und Rotbuche werden bevorzugt verspeist. Aber auch andere Samen werden nicht verschmäht.

In der Brutzeit ändern sich die Vorlieben was die Nahrung angeht. Besonders in der Zeit wo auch die Jungen gefüttert werden, steht vor allem tierische Kost auf dem Speiseplan. Raupen, Larven, Spinnen, Regenwürmer und Insekten werden an die Jungen verfüttert.

Kernbeißer ernten Bäume immer vollständig ab. Sie beginnen üblicherweise in der Baumkrone und arbeiten sich dann langsam in Richtung Boden vor. Zuletzt werden die auf den Boden gefallenen Kerne geknackt.

Für die Insektenjagd wartet der Finkenkönig auf einem Ast, bis er ein Insekt entdeckt. Das wird dann gefangen und wieder zurück auf dem Ast verspeist.

Kernbeißer Finkenkönig auf Ast

Brutverhalten und Fortpflanzung der Kernbeißer

Kernbeißer führen eine monogame Brutehe, meist bleiben die Paare sogar für mehrere Jahre zusammen. In unserer Region brüten die Vögel zwischen Anfang April und Ende Juni. Allerdings hängt die Brutzeit auch von der Witterung und der vorhanden Nahrung ab. Im Normalfall brütet diese Finkenart nur einmal pro Jahr.

Das Revier wird vom Männchen ausgesucht und gegenüber Artgenossen nicht sonderlich aggressiv verteidigt. Andere Vögel werden aber von beiden Partnern ohne Rücksicht vertrieben.

Beide Eltern suchen die Platz für das Nest gemeinsam aus. Auch der Nestbau wird von beiden Partnern gemeinsam durchgeführt. Allerdings sind Kernbeißer-Weibchen etwas fleißiger und übernehmen den größeren Teil der Arbeit. Wenn alles reibungslos klappt und auch das Wetter mitspielt, dann ist das Nest innerhalb von 5 bis 10 Tagen fertig.

Kernbeißer bauen ihre Nester gern in der Nähe zu Artgenossen. So kommt es häufig vor, dass sich in der näheren Umgebung 3 bis 6 Kernbeißer-Nester befinden.

Das Kernbeißer-Weibchen legt normalerweise an 5 aufeinanderfolgenden Tagen je ein Ei. Nachdem das dritte Ei gelegt wurde, beginnt das Weibchen mit dem Brüten. In der Brutzeit, die zwischen 12 bis 14 Tage dauert, wird das Weibchen vom Männchen gefüttert. Nur hin und wieder übernimmt das Männchen den Platz des Weibchens, um ihm die Futtersuche zu ermöglichen.

Die Jungen schlüpfen bei Kernbeißern nicht gleichzeitig. Im ersten Durchgang schlüpfen meist die ersten drei Jungvögel. Später dann die letzten beiden. Die Eischalenreste werden vom Weibchen gefressen und der Nachwuchs gehudert. In der ersten Zeit nach dem Schlüpfen übernimmt das Männchen allein die Futtersuche. Später hilft dann auch das Weibchen mit.

Nach 10 bis 11 Tagen sind die Jungen in der Lage bei Gefahr das Nest zu verlassen. Ein bis zwei tage später klettern sie auch schon selbständig auf die Äste in der Nähe vom Nest (Ästlingsstadium). Voll flugfähig sind sie dann nach 16 bis 19 Tagen. Ab dann teilen sie sich auf und gehen mit je einem Elternteil auf die Futtersuche.

Nach 30 bis 31 Tagen sich die kleinen Kernbeißer dann wirklich selbständig. Allerdings schaffen es nur 13 bis 16 % bis zu diesem Stadium. Gefahr droht von Habicht, Sperber und Wanderfalke, aber natürlich auch von Katzen und Mardern oder anderen Nesträubern.

Kernbeißer im Video