Türkentaube – Streptopelia decaocto

Mit der Türkei hat die Türkentaube (lat. Streptopelia decaocto) nichts mehr gemein. Es handelt sich hier um eine Vogelart aus der Familie der Tauben (Columbidae), wie z.B. auch die Ringeltaube. Ihren Namen erhielt die Taube, weil sie erst in den 40er Jahren von Süd-Ost nach Mitteleuropa und dann weiter nach Nord- und Westeuropa eingewandert ist.

Die Taube zählt als geschützte Art zu den jagdbaren Arten, darf jedoch nur vom 1. November bis zum 20. Februar gejagt werden. Laut einem Gesetz von 2019 wurde die Türkentaube in die Liste der jagdbaren Arten aufgenommen.

Merkmale und Aussehen der Türkentaube

Türkentaube - Streptopelia decaocto
Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Die Türkentaube erreicht eine Größe von 31 bis 33 cm, mit einer Flügellänge von 17 bis 19 cm, einem Gewicht von 110 bis 260 Gramm und einer Schnabellänge von 2 cm. Damit erreicht die Taube in etwa die Größe einer Stadttaube. Allerdings verfügt sie über einen längeren Schwanz, ist leichter und wirkt dadurch etwas zierlicher und schlanker. Ihre Flügelspannweite beträgt 47 bis 55 cm.

Der Laut der Taube ist unverkennbar und jedem bekannt. Es ist ein Ruf, wobei die Betonung auf der zweiten Silbe liegt – gu-guuu-gu.

Die Körperunterseite, sowie das Kopfgefieder sind eintönig hell-beigebraun. Das rötliche Auge ist mit einem weißen Augenring umschlossen. Auffällig ist ein schmales schwarzes Nackenband im Adultgefieder mit einer feinen weißen Rahmung. Die Armdecken und das Rückengefieder sind hellbraun und die Handschwingen hingegen dunkelgrau bis Schwarz.

Die mittleren Schwanzfedern sind beige und die äußeren Schwanzfedern entweder hellgrau oder Weiß, mit einer dunkelgrauen Basis versehen. Beide Füße tendieren von fleischfarben bis hin zu Rot. Der schlanke 2 cm lange Schnabel ist Schwarz ohne Wachshaut. Alle Geschlechter gleichen sich.

Lebensraum

Als Lebensraum nutzen die Türkentauben die Städte. Bei der Türkentaube handelt es sich um einen Kulturfolger. Ursprünglich stammt sie aus Asien. Jedoch fand die Taube in den nördlichen Bereichen Europas, bedingt durch Hausabfälle und Landwirtschaft ein besseres Nahrungsangebot, daher dehnte sie sich ab dem 20. Jahrhundert über ganz Europa aus. Ihr Vordringen zu dieser Zeit konnte detailliert beobachtet und aufgezeichnet werden.

Zurzeit dringen die Tauben weiter nach Nordosten vor. In Europa haben sich die Türkentauben in den Städten als Standtauben etabliert. Hier leben sie in Gärten und Parks, immer in der Nähe von Häusern, aber auch gerne in ruhigen Wohngebieten, welche von Nadelbäumen umgeben sind. Die Nadelbäume sind ein wichtiger Bestandteil der Tauben, weil sie darin brüten.

Diese Taubenart bleibt das ganze Jahr in ihrem Brutgebiet, im Gegensatz zu anderen Vogelarten, die in den kälteren Monaten gen Süden fliegen.

Brutpflege

Wie das der meisten Tauben ist auch das Nest der Türkentauben nur dürftig mit wenigen Halmen und Zweigen ausgestattet. Hauptsächlich befinden sich die Nistplätze oben in den Nadelbäumen. Ausgebrütet werden in der Regel 1 – 2 Eier, mit einer Schlupfzeit von ca. 14 Tagen. Des Öfteren brüten die Türkentauben 4- bis 6-mal hintereinander, da die Verlustrate durch Raub vieler Feinde, wie: Raben, Marder, Ratten, Elster, Katzen, Eichhörnchen und Eichelhäher recht groß ist.

Des Weiteren sterben Jungtauben bei frostigen Temperaturen an Unterkühlung. Auch Abstürze von Jungtauben oder Eiern aus dem Nest gelten als Todesursache. Passieren können derartige Vorfälle durch unsanftes Landen der Alttiere im Nest.

Nahrung und Nahrungserwerb

Hauptsächlich sucht die Türkentaube ihre Nahrung am Boden. Handelt es sich um einen Futterplatz in der Stadt, ist die Taube sehr vorsichtig und beobachtet den Futterplatz erst einmal aus der Ferne, bevor sie sich ihm nähert. Sie ernährt sich von Samen, Feldfrüchten und Obst.

Wenn es sich größenmäßig ergibt, schluckt die Taube ihre Nahrung komplett im Stück herunter.

Nahrung und Nahrungserwerb der Türkentaube

Fortpflanzung und Ausbreitung der Türkentaube

Das ehemalige Verbreitungsgebiet der Türkentaube reichte von der europäischen Türkei bis nach Japan. Daher ist die Taube auch das Wappentier der japanischen Präfektur Saitama. Im Jahre 1943 erreichte die Taube Wien, 1949 die Niederlande, dann weiter Schweden, Belgien und Elsass. In der britischen Grafschaft Norfolk wurden 1956 die ersten Türkentauben beobachtet. Bereits 1960 gab es Bruten in Wales, Irland, Schottland und ab 1966 in jedem britischen Landkreis.

Die Verbreitungsgeschwindigkeit hat sich ab 1972 deutlich verlangsamt. Hinzu kommt, dass die Türkentaube in einigen Staaten zum Abschuss freigegeben ist. So spielt auch der Abschuss eine Rolle. 1970 wurden die Tauben auf den Bahamas zufällig eingeführt. Von dort aus besiedelten sie 1982 Florida und weiter bis 1999 22 Staaten in den USA und ein Ende ist nicht abzusehen.

Bestand und Bejagung

In vielen Ländern wird die Türkentaube bejagt. Neben der Ringeltaube zählt die Türkentaube zu den zum Abschuss freigegebenen Taubenarten. Die Zeiten wann diese Tauben gejagt werden dürfen sind in Deutschland von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. In Berlin, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Schleswig-Holstein und dem Saarland besteht ganzjährig Jagdverbot.

Paarungszeit und Aufzucht der Jungen

Die Paarungszeit der Türkentaube verändert sich mit den klimatischen Bedingungen in der Region. Die Brutzeit kann schon im März erfolgen, aber in klimatisch milden Regionen können die Tauben ihre Jungen auch noch im November aufziehen. Nach ca. 19 Tagen verlassen die Jungtauben erstmalig ihr Nest in der Region. Jedoch bleiben die Jungtauben noch eine Woche in der Nähe ihres Nestes, um darin zu schlafen.

Türkentaube (Streptopelia decaocto)

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