Alpenstrandläufer (Calidris alpina) – Aussehen, Lebensweise, Brutverhalten

Dirk Löbe AvatarbildVeröffentlicht von

Stell dir vor, du stehst an einem windgepeitschten Strand und beobachtest einen kleinen Vogel, der mit erstaunlicher Geschicklichkeit im Schlamm nach Nahrung stochert. Dieser faszinierende Vogel ist der Alpenstrandläufer, wissenschaftlich als Calidris alpina bekannt.

Mit seinem typischen, leicht gebogenen Schnabel und dem wechselnden Federkleid ist er nicht nur ein hübscher Anblick, sondern auch ein echter Überlebenskünstler. Ob in der arktischen Tundra oder an den Küsten Europas, dieser Watvogel führt ein spannendes Leben voller Abenteuer.

Lass uns gemeinsam eintauchen in die Welt des Alpenstrandläufers und mehr über sein Aussehen, seine Lebensweise und sein Brutverhalten erfahren.

Systematik

Aussehen und Merkmale

Alpenstrandläufer Calidris alpina Aussehen
Stephan Sprinz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Alpenstrandläufer ist ein kleiner Vogel, der etwa so groß wie ein Star ist, mit einer Länge von 17 bis 21 Zentimetern. Seine Flügelspannweite beträgt 32 bis 36 Zentimeter und er wiegt zwischen 40 und 60 Gramm. Auffällig ist sein langer, schwarzer Schnabel, der am vorderen Ende leicht nach unten gebogen ist. Seine Augen sind braunschwarz und die Beine und Zehen haben eine schwärzlich olivfarbene Tönung.

Im Brutkleid unterscheiden sich Männchen und Weibchen durch ihre Färbung. Männchen haben oft einen fast hellgrauen Nacken, während Weibchen hier bräunlich bis braun sind. Die Kopfseiten können variieren: von weißlich bis fein bräunlich gestreift bei Männchen und häufiger bräunlich bei Weibchen. Der Rücken ist bei beiden dunkelgrau bis schwarz, wobei die Federn an den Rückenseiten rötlichgelbe bis rötlichbraune Ränder aufweisen.

Die Brust und Kehle des Alpenstrandläufers sind weißlich mit feinen braunschwarzen Streifen, und die Flanken sind dicht dunkelbraun gefleckt. Der Bauch ist schwarz. Die Flügel haben eine dunkle Färbung mit weißen Spitzen an den Schwingen und Decken.

Im Ruhekleid verschwinden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Oberseite des Körpers ist graubraun bis rauchgrau, ohne die rötlichen Säume des Brutkleides. Der Scheitel und der vordere Rücken erscheinen fein gestrichelt durch die dunklen Federschäfte. Kehle und Kinn sind weißlich, der Hals hat eine braune Längsstrichelung und die Brust ist graubraun mit dunklen Streifen. Brust und Bauch sind weiß.

Verbreitung und Lebensraum

Der Alpenstrandläufer ist in einem breiten Gebiet von den gemäßigten Breiten bis zur arktischen Tundra zu Hause. Du findest ihn in den Brutgebieten von Grönland, Island, Jan Mayen und Spitzbergen. In Skandinavien, Russland, Alaska und im Norden Kanadas brütet er ebenfalls. Besonders in Ostgrönland gibt es viele Brutgebiete, während die Westküste seltener besiedelt ist.

Im Winter zieht es den Alpenstrandläufer an die Küsten der Nordhalbkugel. Er überwintert von den Küsten Europas bis nach Westafrika, im Mittelmeerraum und entlang der südlichen Küsten Asiens. In Mitteleuropa ist er während der Zugzeiten oft an den Küsten und im Wattenmeer zu beobachten. Die mitteleuropäischen Alpenstrandläufer stammen aus Nordostgrönland, Nordskandinavien und Nordrussland.

Je nach Brutgebiet nutzen diese Vögel unterschiedliche Zugwege. Alpenstrandläufer aus Grönland ziehen über Island und Großbritannien bis nach Westafrika. Vögel aus Sibirien überwintern entweder im Nordseeraum oder ziehen über Russland und die Ukraine zum Schwarzen Meer und Vorderasien.

Der Alpenstrandläufer bevorzugt Feuchtgebiete wie Schlammflächen, Moore, Heidegebiete und Tundren. Besonders wichtig sind Feuchtgebiete mit niedrig wachsender Vegetation und offenem Wasser. In Mitteleuropa brüten sie auf kurzgrasigen Wiesen an den Küsten, hauptsächlich auf Salzwiesen. Ein Beispiel für ein Brutgebiet ist die Insel Kirr in der Darß-Zingster Boddenkette, die flache Wiesen und geeignete Brut- und Nahrungsflächen bietet.

Nahrung und Nahrungssuche

Alpenstrandläufer auf Nahrungssuche

Der Alpenstrandläufer findet seine Nahrung meist in flachen Gewässern und auf feuchten Wiesen. Mit seinem langen Schnabel pickt er Insekten und deren Larven aus dem Wasser. Zur Zugzeit erweitert er seinen Speiseplan um Schnecken, Würmer und kleine Krebstiere. In den Tundren und feuchten Wiesen nahe der Küste sind es vor allem die Larven und erwachsenen Exemplare von Schnaken und Zuckmücken, die er bevorzugt frisst.

Die Jungvögel sind auf leicht zu erbeutende Insekten angewiesen, besonders wenn das Wetter schlecht ist. Da ihre Dunen nicht wasserdicht sind, können sie noch nicht im Boden stochern. Stattdessen picken sie kleinste Tiere von Pflanzen und vom Boden auf. Dies ist besonders wichtig, da die Küken im Juli schlüpfen, einer Zeit, in der viele Insekten an der Oberfläche der Tundra verfügbar sind.

Energie- und nährstoffreiche Nahrung ist entscheidend für die Entwicklung der Küken. Bei schlechtem Wetter sind sie auf ausreichend Insektennahrung angewiesen, da sie noch nicht selbstständig nach Nahrung suchen können. Die Natur sorgt dafür, dass gerade zur Schlüpfzeit ein Maximum an Insekten verfügbar ist, sodass die Jungvögel genügend Nahrung finden.

Brutverhalten und Fortpflanzung

Alpenstrandläufer brütend auf dem Nest

Der Alpenstrandläufer erreicht seine Geschlechtsreife bereits nach einem Jahr. In der Brutzeit von April bis Juli legt das Weibchen bis zu vier Eier. Das napfförmige Nest ist meist gut in einem Grashorst versteckt, was es vor Fressfeinden schützt. Die Eier werden im Abstand von 30 bis 36 Stunden gelegt und haben eine glatte, leicht glänzende Schale. Sie können hell, hell oliv, grünlich oder blaugrün sein und weisen bräunliche Kleckse, Punkte und Sprenkel auf.

Beide Elternteile sind am Brutprozess beteiligt. Sie wechseln sich beim Brüten ab, um die Eier warm zu halten und zu schützen. Nach etwa drei Wochen schlüpfen die Küken. Diese sind zunächst auf die Fürsorge der Eltern angewiesen, besonders bei der Nahrungssuche. Die Küken picken kleinste Insekten von Pflanzen und dem Boden, da ihre Dunen noch nicht wasserdicht sind und sie nicht im Boden stochern können.

Nach weiteren drei Wochen sind die Jungvögel flügge und beginnen, ihre Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Die Elternvögel bleiben jedoch in der Nähe, um bei Bedarf Unterstützung zu bieten. Dieses enge Familienband ist entscheidend für das Überleben der jungen Alpenstrandläufer, bis sie eigenständig genug sind, um allein zurechtzukommen.

Bestand und Gefährdung

Der Alpenstrandläufer steht vor erheblichen Herausforderungen durch die Klimaerwärmung. Prognosen zeigen, dass bis zum Ende des Jahrhunderts große Teile seines jetzigen Verbreitungsgebiets nicht mehr den nötigen Lebensraum bieten werden. Besonders betroffen sind Irland, England, der Süden und Osten Fennoskandinaviens, die baltischen Staaten und der Norden Russlands. Auch der mitteleuropäische Brutbestand wird voraussichtlich verschwinden.

Es gibt jedoch auch potenzielle neue Lebensräume. Gebiete wie Franz-Josef-Land, Spitzbergen und Nowaja Semlja könnten durch die Klimaänderungen für den Alpenstrandläufer geeignet werden. Trotzdem wird erwartet, dass das zukünftige Verbreitungsgebiet nur noch 56 Prozent der heutigen Fläche ausmacht.

In Deutschland ist die Lage besonders kritisch. Die Rote Liste der Brutvögel von 2020 stuft den Alpenstrandläufer in die Kategorie 1 ein, was bedeutet, dass er vom Aussterben bedroht ist. Diese Einstufung unterstreicht die dringende Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen, um den Bestand zu erhalten.

Die Zukunft des Alpenstrandläufers hängt stark von unseren Bemühungen ab, den Klimawandel zu begrenzen und geeignete Lebensräume zu schützen und zu bewahren. Dein Engagement kann dazu beitragen, diesen faszinierenden Vogel für zukünftige Generationen zu erhalten.

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