Wasseramsel – Aussehen, Lebensraum, Nahrung, Brutverhalten

Die Wasseramsel oder, genauer gesagt, Eurasische Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist hier in Mitteleuropa der einzige Vogel aus der Familie der Wasseramseln (Cinclidae). Wie der Name schon vermuten lässt, wird im bevorzugten Lebensraum schnellfließende und klare Gewässer für die Nahrungssuche benötigt.

Einen Fehler kann man bei dem Namen aber auch schnell machen: Die Wasseramsel ist nicht direkt mit der Amsel verwandt.

Nachdem es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert etwas schlecht um sie aussah, haben sich die Bestände inzwischen wieder erholt, so dass die Art aktuell nicht mehr als gefährdet gilt.

Systematik

  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Unterordnung: Singvögel (Passeri)
  • Überfamilie: Muscicapoidea
  • Familie: Cinclidae
  • Gattung: Wasseramseln (Cinclus)
  • Art: Wasseramsel

Wie sieht eine Wasseramsel aus?

Aussehen und Merkmale der Wasseramsel

Mit einer Körperlänge von 17 bis 20 cm werden die Wasseramseln fast so groß wie ein Star. Die Flügelspannweite bei erwachsenen Vögeln beträgt zwischen 25 und 30 cm. Das Gewicht zwischen Männchen und Weibchen ist unterschiedlich, die Männchen sind mit 56 bis 76 g etwas schwerer als die Weibchen mit ihren 47 bis 68 g.

Die Gestalt der Wasseramsel wirkt auf den ersten Blick etwas rundlich. Der Eindruck wird vielleicht auch durch eher kurzen Schwanz, ähnlich wie beim Zaunkönig, verstärkt.

Der Kopf und Nacken sind mittelbraun gefärbt. Das restliche Gefieder an der Oberseite ist schiefergrau. Die Gefieder an der Unterseite ist rotbraun gefärbt. Der Bereich Kehle, Kinn und Brust bilden mit ihrem Weiß einen deutlichen Kontrast.

Beide Geschlechter unterscheiden sich bei den Wasseramseln im Aussehen nicht, sondern nur im Gewicht.

Wo leben Wasseramseln?

Wasseramseln sind sehr spezialisiert, was ihren Lebensraum angeht. Zwingend nötig sind klare und sauerstoffreiche Flüsse, die eine gute Strömung haben. Es müssen aber auch seichtere Stellen und eine etwas dichtere Ufervegetation vorhanden sein.

In Deutschland kann man die Wasseramsel in erster Linie in den südlichen Regionen beobachten. Hier ist sie dann auch als Standvogel das ganze Jahr vor Ort. Brutgebiete werden nur dann verlassen, wenn die Gewässer zufrieren.

Was frisst eine Wasseramsel?

Wasseramseln sind Fleischfresser. Auf dem Speiseplan stehen in erster Linie Tiere die im und am Wasser erbeutet werden können, wie Larven der Köcherfliegen, Eintagsfliegen, Steinfliegen, Flohkrebse oder auch kleine Fische.

Die Wasseramsel ist hier der einzige Singvogel, der schwimmen und auch tauchen kann. Und die Tauchgänge können bis zu 15 Sekunden gehen.

Die Nahrungssuche erfolgt am aktivsten am frühen Vormittag und am späten Nachmittag. Dazwischen wird die Zeit zur Erholung und zur Gefiederpflege genutzt.

Wasseramsel auf Nahrungssuche

Brutverhalten und Fortpflanzung bei Wasseramseln

Wasseramseln führen meist eine treue Saisonehe. Aber da es häufiger zu 2 oder 3 Bruten pro Jahr kommt, kann es auch zum Wechsel der Partner kommen. Allerdings kann auch das Gegenteil der Fall sein. Da die Vögel sehr brutorttreu sind, kann es vorkommen, dass sich immer wieder die gleichen Partner paaren.

Plätze für neue Nester sind in den Brutgebieten meist sehr selten. Aus diesem Grund werden alte Nestern sehr gern erneut verwendet und nur ausgebessert oder repariert. Das Nest befindet sich meist nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche, so dass es unter Umständen auch überschwemmt werden kann. Nisthilfen werden von den Vögeln aber oft dankend angenommen.

Der Nestbau dauert in der Regel 14 Tage und wird gleichermaßen vom Männchen und dem Weibchen durchgeführt. Gestartet wird meist Ende Februar. Gebaut wird mit nassen Baumaterialien. Außen besteht das Nest aus geflochtenem Moos, darin gibt es einen Napf, der auch Grasrispen gebaut wird. Ausgepolstert wird dann schließlich mit Blättern.

Das Weibchen legt dann 4 bis 6 Eier. Ist das vorletzte Ei gelegt, beginnt das Weibchen damit die Eier zu bebrüten. Die Brutzeit dauert ca. 16 Tage. In dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen gefüttert. Allerdings verlässt auch das Weibchen selbst hin und wieder kurz das Nest, um auf Nahrungssuche zu gehen.

Nach dem Schlüpfen werden die Küken vom Weibchen in den ersten Tagen gehudert und vom Männchen gefüttert. Im weiteren Verlauf beginnt dann auch das Weibchen damit den hungrigen Nachwuchs mit Futter zu versorgen.

Nach rund 24 Tagen verlassen die Jungen dann dass Nest, werden aber noch bis zu 14 Tagen von den Eltern versorgt, bis sie ihre eigenen Wege gehen.

Meist startet das Weibchen die zweite Brut bereits neun Tage nach dem Flüggewerden der ersten Brut. Während das Weibchen bereits auf dem zweiten Gelege sitzt, wird der erste Nachwuchs vom Männchen allein gefüttert.

Wasseramsel im Video

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