Sperbergrasmücke – Aussehen, Lebensraum, Nahrung, Brutverhalten

Die als Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) bekannte Singvogel zählt zur Gattung der Grasmücken. Sie ist die größte mitteleuropäische Art ihrer Gattung. Sie teilt sich diesen Titel mit der Orpheusgrasmücke. Im östlichen Mitteleuropa kann man diese Vogelart häufiger beobachten, denn sie ist ein weit verbreiteter und häufiger Sommerbrutvogel.

Im westlichen Mitteleuropa kommt die Sperbergrasmücke allerdings nur lokal vor und ist somit dort nur wenig bekannt.

Systematik

  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Unterordnung: Singvögel (Passeri)
  • Überfamilie: Sylvioidea
  • Familie: Grasmückenartige (Sylviidae)
  • Gattung: Grasmücken (Sylvia)
  • Art: Sperbergrasmücke

Aussehen und Merkmale der Sperbergrasmücke

Aussehen und Merkmale der Sperbergrasmücke
Bild von: Artur Mikołajewski, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Sperbergrasmücke ist 15,5 bis 17 cm lang und hat eine Flügelspannweite von 26 bis 29 cm. Das Gewicht beträgt 28 bis 32 Gramm, das Gefieder ist graubraun und die Brust ist ähnlich wie bei einem Sperber gefärbt, das heißt dunkelgrau mit helleren dünnen horizontalen Streifen. Der Schnabel ist relativ spitz und die Basis ist weiß-grau.

Die Form der gelben Iris und des Schwanzes erinnert an einen Sperber. Die Beine sind hellbraun. Die Farbe von Männchen und Weibchen ist dabei fast gleich. Männchen sind am Aussehen zu unterscheiden: Die Farbe der Iris ist beim Männchen hellgelb und bei den Weibchen eher bräunlich-gelb, der Hinterkopf ist beim Männchen dunkelgrau und beim Weibchen graubraun.

Die Jungtiere sind oben grau-braun und unten beige. Die Enden der Deckfedern der Flügel sind hell gefärbt.

Die männlichen Vögel, insbesondere die mit Brutplätzen, erkennt man leicht am Sinkflug von Bäumen mittlerer Höhe. Ihre Flügel schlagen dabei so zusammen wie die von Ringeltauben.

Ein ganz typischer Ruf ist ein lautes Knattern, das an den Schrei eines Haussperlings erinnert. In den meisten Fällen folgt es einer bestimmten Strophe. Der Warnruf des Vogels ist eher leise und heiser. Der Vogelgesang ähnelt dem von einer Gartengrasmücke, ist zudem aber meist härter, rauer und höher. Der Vogelgesang ähnelt oftmals Pfeiflauten.

Lebensraum und Verbreitung

Die Sperbergrasmücke kommt in der Zentralpaläarktis vor. Ihre Brutgebiete erstrecken sich von Ostskandinavien, Ostmitteleuropa und Nordostitalien bis hin zum Ural und südlich bis zum mongolischen Altai. Die nördliche Grenze der Vögel liegt im europäischen Teil Russlands bei etwa 60 Grad nördlicher Breite und etwa 61 Grad im Südwesten Finnlands.

In Mitteleuropa sind sie hauptsächlich im östlichen Tiefland mit einzelnen Ausläufern im Westen verbreitet. Besiedelt werden diese allerdings nicht dauerhaft. In der Schweiz gibt es vereinzelte kleine Brutpopulationen, aber zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird der Brutbestand dort auf nicht mehr als 10 Paare geschätzt.

Der Vogel ist ein sogenannter Langstreckenzieher. Von Mai bis ungefähr September brütet er in Mitteleuropa und den Winter verbringen die Vögel im tropischen Afrika. Sperbergrasmücken sind Zugvögel, die bevorzugt bei ihrem Zug die östliche Route nutzen. Das heißt konkret, sie überfliegen das Mittelmeer, wenn überhaupt, nur über den Bosporus. Das Hauptdurchgangsgebiet ist der Nahe Osten.

Das Tier lebt in hohen Büschen, wie zum Beispiel in Schlehe, Weißdorn oder der Heckenrose, aber auch auf einzelnen Bäumen im Freiland und auf buschigen Lichtungen im offenen Wald. Der Lebensraum wird häufig mit dem Neuntöter geteilt.

Nahrung und Nahrungserwerb

Sperbergrasmücken sind recht flexibel, was die Nahrung angeht. Ganz oben auf dem Speiseplan stehen verschiedene Insekten und Spinnen. Aber auch, wenn verfügbar, werden gern reife Beeren verzehrt.

Brutverhalten und Fortpflanzung der Sperbergrasmücke

Mit einem Jahr sind Sperbergrasmücken geschlechtsreif. Das Nest wird bevorzugt aus Gras, Wurzeln, Haaren und Stängeln gebaut und ist normalerweise gut versteckt in dornigen Büschen knapp über dem Boden. Die Weibchen legen 4 bis 5 Eier. Die Hauptbrutzeit liegt bei dieser Vogelart von Mai bis Juli. Nach 12 bis 14 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungvögel nackt und gehören damit zu den Nesthockern. In den folgenden 11 bis 12 Tage entwickeln sich die Jungvögel im Nest, bevor sie es erstmals verlassen.

Die Gefährdung der Sperbergrasmücke

In der Deutschen Roten Liste der Brutvögel 2021 wird diese Art als erste Kategorie „vom Aussterben bedroht“ geführt. Im Vergleich zur Vorversion der Roten Liste 2015 ist die bisherige Stufe „Gefährdet“ um zwei Stufen gesunken.

Sperbergrasmücken sind auch in verschiedenen Roten Listen deutscher Bundesländer aufgeführt, wie zum Beispiel in Niedersachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein. Darüber hinaus ist diese Art in der Vogelschutzrichtlinie als „streng geschützte Art“ registriert.