Neuntöter oder Rotrückenwürger – Aussehen, Lebensraum, Nahrung, Brutverhalten

Der Neuntöter (Lanius collurio) oder Rotrückenwürger gehört zur Familie der Würger (Laniidae). Hier bei uns in Deutschland bzw. in Mitteleuropa ist er sogar die häufigste Würgerart. Seinen Namen hat er im 18. Jahrhundert durch sein Verhalten bekommen: Neuntöter haben die Angewohnheit ihre Beutetiere auf Dornen aufzuspießen.

Wer den Neuntöter beobachten möchte hat nicht viel Zeit. Bereits im August macht sich der kleine Zugvogel auf seine weite Reise in Richtung Afrika, um dort den Winter zu verbringen.

Um nicht zu sehr zu verwirren, werde ich mich hier in diesem Vogel-Steckbrief drauf beschränken den Vogel Neuntöter zu nennen, obwohl er ja auch Rotrückenwürger genannt wird.

Systematik

  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Unterordnung: Singvögel (Passeri)
  • Überfamilie: Corvoidea
  • Familie: Würger (Laniidae)
  • Gattung: Echte Würger (Lanius)
  • Art: Neuntöter

Wie sehen Neuntöter bzw. Rotrückenwürger aus?

Aussehen und Merkmale beim Neuntöter oder Rotrückenwürger
Neuntöter Männchen

Der Neuntöter kann eine Körperlänge von 16 bis 18 cm erreichen. Die Flügelspannweite beträgt zwischen 91 und 95 cm. Beim Männchen etwas mehr und beim Weibchen etwas weniger. Das Gewicht liegt im Durchschnitt bei ca. 28 g.

Männchen und Weibchen kann man sehr gut schon am äußeren Erscheinungsbild unterscheiden.

Das Männchen ist im Rücken und im Schulterbereich rostbraun bis kastanienbraun gefärbt. Daher auch der Name Rotrückenwürger. Der Kopf und der Nacken sind in einem hellen grau. Das Neuntöter-Männchen besitz einen schwarzen Augenstreif. Der Bereich an der Kehle ist weiß und das Gefieder an der restlichen Unterseite geht in Richtung rosa.

Das Weichen unterscheidet sich deutlich vom Männchen, wie man auf dem Bild des Neuntöter-Weibchens gut erkennen kann. Das Gefieder an der Oberseite ist rotbraun gefärbt. Der Kopf ist auch nicht grau wie beim Männchen. Ebenso fehlt der schwarze Augenstreif. So sticht das Auge deutlicher hervor. Die Unterseite erinnert mit ihrer hellen Färbung und der Querbänderung an einen Sperber.

Weibchen des Neuntöters bzw. Rotrückenwürgers
Neuntöter Weibchen

Wo leben Neuntöter bzw. Rotrückenwürger?

Neuntöter sind in fast ganz Europa zu finden. Auf den britischen Inseln fehlt er aber z.B. komplett. Wie bereits erwähnt, ist der Neuntöter ein Zugvogel. Genauer gesagt handelt es sich bei ihm sogar um einen sogenannten Langstreckenzieher. Im August macht er sich auf den Weg in sein Winterquartier, das sich über die südlichen Teile Afrikas erstreckt. Im Frühjahr kehrt er dann wieder in seine Brutgebiete zurück.

Hier bei uns in Deutschland werden offene Regionen mit Hecken und Sträuchern als Lebensraum bevorzugt. Idealerweise gibt es auch Plätze zum Sonnenbaden und Sandbaden.

So ist er nicht nur Grün- und Weideland, sondern ist auch in Obstgärten oder auch an Äckerrändern zu finden.

Gerade die intensive Landwirtschaft wirkt sich negativ auf den Lebensraum des Neuntöters aus, was auch zu einer Verringerung des Bestands geführt hat.

Was fressen Neuntöter bzw. Rotrückenwürger?

Neuntöter ernähren sich, wie es der Name schon vermuten lässt, in erster Linie von tierischer Nahrung. Auf dem Speisplan des kleinen Würgers stehen Großinsekten (wie z.B. Käfer) oder auch Hummeln, Wespen und Bienen. Auch Laven, Spinnen und Regenwürmer werden gern verspeist. Selbst vor Reptilien oder Kleinsäugern macht der Neuntöter nicht halt.

Bekannt geworden ist er durch sein besonderes Verhalten bei der Aufbewahrung seiner Nahrung. Um schlechte Tage zu überbrücken, legt der kleine Vogel einen Nahrungsvorrat an. Dazu werden erbeutete Wirbeltiere oder größere Insekten auf Stacheln oder Dornen aufgespießt. Selbst Stacheldraht an Zäunen wird häufiger zu diesem Zweck benutzt.

Neuntöter auf seiner Ansitzwarte

Brutverhalten und Fortpflanzung bei Neuntötern

Bei den Neuntötern gibt es meist zwischen Männchen und Weibchen eine Brutsaison-Ehe. Allerdings kann es vorkommen, dass sich ein Paar im Folgejahr erneut verpaart, wenn beide Vögel nach der Winterzeit in das gleiche Revier zurückkehren.

Das Männchen bietet dem Weibchen verschiedene Standorte für das Nest an. Die letzte Entscheidung, wo das Nest auch wirklich gebaut wird, trifft aber das Weibchen.

Bevorzugt werden als Standort für das Nest Dornenbüsche, die zwischen 1,5 und 2,5 m hoch sind. Gebaut wird das napfförmige Nest von beiden Partnern innerhalb von 4 bis 6 Tagen. Als Baumaterial dienen Stängel, Zweige, Moos und feine Halme. Ausgepolstert wird die Nistmulde mit Federn, Haaren und feinem Wurzelgeflecht.

Das Weibchen legt jeden Tag ein Ei. Ein normales Gelege verfügt dann über 5 bis 6 Eier. Abweichungen nach oben und unten sind aber möglich. Mit dem Brüten wird im Normalfall begonnen, nachdem das vorletzte Ei gelegt wurde. So ist sichergestellt, dass die Küken möglichst am gleichen Tag schlüpfen.

Bebrütet wird ausschließlich vom Weibchen. Die Brutzeit dauert 14 bis 15 Tage. In dieser Zeit wird sie vom Männchen gefüttert, verlässt aber auch regelmäßig das Nest, um sich Nahrung zu suchen.

Die Jungen kommen als Nesthocker natürlich nackt zur Welt. Die Nestlingszeit beträgt 14 bis 16 Tage. In dieser Zeit entwickeln sich die Küken soweit, dass sie selbstständig werden können.

Selbst nach dem Ausfliegen wird der Nachwuchs noch von seinen Eltern gefüttert. Ab dem 26. Tag beginnen die kleinen Neuntöter dann selbständig Beute zu erjagen. Im Alter von 42 Tagen sind sie dann im Normalfall ausgewachsen und können ihre eigenen Wege gehen.

Neuntöter bzw. Rotrückenwürger im Video

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