Kleinspecht – Aussehen, Lebensraum, Nahrung, Brutverhalten

Der Kleinspecht (Dryobates minor) trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Mit seinen rund 15 cm gehört er zu den kleinsten Vertretern der Unterfamilie Echte Spechte (Picinae). Er ist in Mitteleuropa zwar weit verbreitet, kommt aber trotzdem nicht so häufig vor.

Optisch sieht man natürlich direkt seine Zugehörigkeit zu den Buntspechten.

Systematik

  • Klasse: Vögel (Aves)
  • Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
  • Familie: Spechte (Picidae)
  • Unterfamilie: Echte Spechte (Picinae)
  • Gattung: Dryobates
  • Art: Kleinspecht

Wie sieht ein Kleinspecht aus?

Aussehen und Merkmale beim Kleinspecht
Kleinspecht auf Nahrungssuche von Lubos Houska

Gerade mal bis zu 16,5 cm Körperlänge können Kleinspechte erreichen. Die Flügelspannweite liegt zwischen 24 und 28 cm. Das Gewicht liegt bei Männchen und Weibchen zwischen Und damit sind sie wesentlichen kleiner als der Buntspecht und der Mittelspecht. Männchen und Weibchen kann man bei dieser Spechtart ganz gut unterscheiden. Die Männchen haben eine rote Kappe und die Weibchen haben einen schwarzen Kopf.

Das Gefieder auf der Oberseite ist bei beiden Geschlechtern schwarz-weiß, wie bei anderen Buntspechten auch. Kleinspechte sind in Europa die einzige Buntspecht-Art, die keine Rotfärbung an den Unterschwanzdecken und in der Steißgegend haben.

Auf der Unterseite sind sowohl Männchen, als auch Weibchen fast weiß und haben einen gestrichelten Bauch.

Wo leben Kleinspechte?

Der Kleinspecht hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet. Man kann den kleinen Specht von Portugal und Spanien über ganz Mitteleuropa bis weit in den Osten (Japan und Nordkorea) finden. Hier bei uns in Mitteleuropa bleibt der Kleinspecht das ganze Jahr in seinem Brutgebiet, ist also ein Standvogel.

Das ist aber nicht überall so. Gerade in den nördlicheren Regionen (Skandinavien) verlässt er zum Winter seine Brutgebiete und verbringt die kalten Monate z.B. lieber in Dänemark.

Der kleine Specht stellt recht hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Er fühlt sich in Waldgebieten mit vielen alten, grobborkigen Laubbäumen wohl. Pappeln, Weiden und Erlen sind als Weichholzarten wichtig, genau wie auch vorhandenes Totholz. Deshalb findet man ihn auch am wahrscheinlichsten in Auwäldern, in Erlenbrüchen oder feuchten Eichen-Hainbuchenwäldern.

Es kommt aber auch vor, dass der Kleinspecht Streuobstwiesen, Parks oder sogar größere Gärten als Brutgebiet nutzt. Wichtig ist, dass genügend Nahrung vorhanden ist und er die Möglichkeit hat seine Höhle zu bauen.

Was fressen Kleinspechte?

Der Kleinspecht sucht und findet seine Nahrung vor allem unter der losen Rinde. Dementsprechend stehen holzbewohnende Insekten und deren Larven ganz oben auf dem Speisenplan. Blattläuse sind sehr beliebt aber auch Schmetterlingsraupen, Käfer und Käfer-Larven werden gern gegessen.

Pflanzliche Nahrung spielt bei dieser Spechtart fast keine Rolle. Hin und wieder, vor allem im Frühjahr, werden auch mal Baumsäfte aufgenommen. Aber Früchte und Beeren stehen eher sehr selten auf dem Speisenplan.

Gesucht wird die Nahrung vor allem im Kronenbereich der Bäume auf dünnen Ästen und Zweigen. Hier sammelt er die Insekten von den Zweigen und Blättern oder pickt sie aus der groben Rinde. Aber auch Fluginsekten werden hin und wieder erbeutet.

Auf dem Boden wird fast nie nach Nahrung gesucht. Selbst am Stamm ist er bei der Nahrungssuche selten zu sehen.

Kleinspecht (Dryobates minor)
Kleinspecht auf Ast von Kurt Bouda

Brutverhalten und Fortpflanzung bei Kleinspechten

Die Brutehe dauert bei den Kleinspechten eine Saison. Da sie aber recht standorttreu sind, kommt es häufig vor, dass sich die gleichen Partner im folgenden Jahr erneut paaren. Die Nisthöhle wird fast immer in Baumarten mit weichem Holz, wie z.B. Weiden, Pappeln, Erlen oder Birken, gezimmert.

Gern wird auch Holz genutzt, dass bereits stark im Zerfall ist. Aus diesem Grund wird auch jedes Jahr eine neue Nisthöhle gebaut. Gebaut wird von beiden Partnern, allerdings leistet das Männchen den Hauptteil der Arbeit. Innerhalb von zwei Wochen wird die Nisthöhle in den Baum gemeißelt.

Ab Mitte April beginnen Kleinspechte mit der Eiablage. Durchschnittlich 4 bis 6 Eier legt das Weibchen im Abstand von 24 Stunden. Wurde das vorletzte Ei gelegt, beginnen beide Partner mit dem Bebrüten der Eier. Wie bei allen anderen Spechten auch, ist es auch beim Kleinspecht so, dass nachts das Männchen auf den Eiern sitzt.

Nach ca. 11 Tagen schlüpfen dann die Küken und werden in der ersten Zeit von beiden Eltern gehudert und gefüttert. Innerhalb von 20 Tagen entwickeln sich die Nesthocker zu jungen Kleinspechten, die das Nest verlassen können.

Bereits ab dem 14. oder 15. Tag holen sich der Kleinspecht-Nachwuchs sein Futter am Einflugloch ab.

Nähert sich die Nestlingszeit dem Ende zu, fliegen die Eltern nur noch in die Nähe der Nisthöhle und locken den Nachwuchs mit dem Futter immer weiter aus der Höhle. Nach dem endgültigen Verlassen der Nisthöhle werden die jungen Kleinspechte noch bis zu zwei Wochen von den Eltern versorgt und betreut.

Kleinspecht im Video