Sumpfohreule – Aussehen, Lebensraum, Nahrung, Brutverhalten

Die Sumpfohreule (lat. Asio flammeus) gehört zur Familie der eigentlichen Eulen und zur Gattung der Ohreulen. In unserer Kultur wird die Eule als Symbol der Weisheit gesehen. Aufgrund ihrer nächtlichen Aktivitäten und ihrer Größe und Stärke wird sie mit mystischen Eigenschaften umgeben.

Aussehen und Merkmale der Sumpfohreule

Aussehen und Merkmale der Sumpfohreule

Sie erreicht eine Körperlänge von ca. 30 bis 40 Zentimetern, eine Flügelspannweite von ungefähr einem Meter und ein Gewicht von 300 bis 500 Gramm. Sie hat eine gelbe Gefiederoberseite mit breiten, dunkelbraunen Streifen, der Bauch und die Brust sind deutlich heller und weisen ebenfalls dunkelbraune Streifen auf. Das Gefieder mit den hell- und dunkelbraunen Quer- und Längsstreifen ergibt in ihrer natürlichen Umgebung eine perfekte Tarnung. Mit ihren rötlich braunen Farben verschmelzen die Sumpfohreulen mit dem Laub und dem Holz im Wald.

Die kleinen Federohren auf dem Kopf sind normalerweise kaum zu erkennen, sie werden nur bei Gefahr aufgestellt. Der Kopf ist aufgrund einer Wendemöglichkeit von 270 Grad und mehr sehr beweglich. Er hat eine rundliche Form, das Gesicht ist hauptsächlich weislich gefärbt und der kräftige Schnabel hat eine schwarze Färbung. Die Augen liegen in der oberen Hälfte des Gesichtsschleiers, die Iris ist schwefelgelb und die kreisrunde Pupille ist schwarz. Die dunklen Augen wirken im Gesichtsschleier wie eine Maske mit einem strengen Gesichtsausdruck.

Die Füße haben vier Zehen, zwei Zehen zeigen nach hinten und zwei sind nach vorne gerichtet. Die Fahnen der Federn sind sehr breit und die Kiele elastisch. Dank ihrer besonderen Befiederung verfügt die Sumpfeule über ausgezeichnete Flugfähigkeiten.

Lebensraum und Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Sumpfohreulen ist groß, es erstreckt sich über Europa, Asien, Nord- und Südamerika. In Europa kommen die Sumpfohreulen in Island sowie in England am häufigsten vor. Die Sumpfeulen der nördlichen Populationen sind Zugvögel, die auf ihren Wanderungen häufig mehrere tausend Kilometer zurücklegen.

Die Sumpfohreule bevorzugt als Lebensraum offene Landschaften wie Hoch- und Niedermoore, Auenlandschaften, Flussniederungen und Verlandungszonen. Sie benötigt eine niedrige Vegetation um zu jagen, diese muss jedoch auch genug Deckung bieten. In geschlossenen Wäldern ist sie nicht zu finden, an lichten Waldrändern kaum.

Hier bei uns in Mitteleuropa lebt sie oftmals auf landwirtschaftlichen Flächen und auf Weideland. In den Winterquartieren findet man sie häufig auf Grünlandgebieten und Rieselfeldern. In wärmeren Gebieten sind die Sumpfohreulen weitgehend standorttreu und unternehmen nur begrenzte Wanderungen, wenn sich die Notwendigkeit dafür ergibt.

Es ist schwierig, die seltene Art der Sumpfohreule in Deutschland zu beobachten, dies ist zum Beispiel bei dem Herbstzug von den Nordseeinseln und Helgoland möglich.

Nahrung und Nahrungserwerb

Die Sumpfohreule ernährt sich hauptsächlich von Kleinnagern wie Wühl- und Erdmäusen, sie kann aber auch kleinere Vögel und Insekten fressen. Der tägliche Nahrungsbedarf liegt bei zwei bis drei Mäusen, die Eule nimmt pro Tag zwischen 15 und 20 % ihres Körpergewichts zu sich.

Sie legt Nahrungsdepots an, die für die Ernährung der unersättlichen Jungen oder für nahrungsarme Jahresperioden verwendet werden.

Sumpfohreulen jagen im niedrigen, langsamen Suchflug, das Territorium wird in einem bis drei Metern Höhe überflogen, der Gleitflug kann dabei in einen Rüttelflug übergehen und umgekehrt. Die Eule lokalisiert das Beutetier visuell und akustisch aus der Luft bevor sie sich nach einem kurzen Rüttelflug mit vorgestreckten Zehen und angewinkelten Flügeln auf das Beutetier stürzt. Entkommene oder nur verletzte Beutetiere werden mit Flattersprüngen oder rennend verfolgt. Normalerweise wird das Beutetier bereits durch den Aufprall getötet, ansonsten durch einen Genick- oder Kopfbiss. Das Beutetier wird normalerweise sofort an Ort und Stelle verschlungen.

Die Sumpfohreule ist hauptsächlich dämmerungsaktiv, den Nachmittag und die frühe Nacht verbringen sie meistens ruhend, sie kann jedoch dank ihres ausgezeichneten Gehörs auch in der Nacht in völliger Dunkelheit jagen.

Sumpfohreule (Asio flammeus) - Spiekeroog, Nationalpark niedersächsisches Wattenmeer
Stephan Sprinz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Brutverhalten bei Sumpfohreulen

In Europa brüten die Sumpfeulen ab Mai bis Juli, sie führen eine monogame Saisonbeziehung. Die Sumpfeulen bauen Nester, diese sind jedoch individuell sehr verschieden. Manchmal handelt es sich lediglich um ausgescharrte Mulden mit Nistmaterial und manchmal um kompakte, stabile Nester. Das Nest befindet sich immer auf dem Boden aber es wird vom dichten Bodenbewuchs geschützt. Häufig befinden sich in der Umgebung Warten, von denen die Eulen das Nest beobachten und bei Gefahr eingreifen.

Die Eulen brüten normalerweise einmal im Jahr. In Jahren mit einem hohen Mäuseaufkommen auch zweimal. Das Gelege der Sumpfohreule besteht aus 10 bis 14 ovalen, weißen Eiern, die im Abstand von mehreren Tagen gelegt werden. Das Weibchen brütet die Eier aus und wird von dem Männchen mit Nahrung versorgt, es verlässt in der Brutzeit nur selten das Nest. Nach einer Brutzeit von ungefähr 26 Tagen schlüpfen die Jungen, häufig befinden sich Junge in unterschiedlichen Entwicklungsstadien vom frisch geschlüpften Küken bis zum ausgewachsenen Nestling im Nest. In den ersten Tagen werden die Mäuse von der Mutter in Stücke gerissen, später sind die Jungtiere in der Lage, ganze Mäuse zu verschlingen.

Nach ungefähr 15 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest und verteilen sich im dichten Bodenbewuchs der Nestumgebung. Sie werden danach von den Eltern noch eine gewisse Zeit mit Futter versorgt.